Sie sind hier: Presse > Pressemappe > Faktenblatt Parkinson
Die Parkinson-Krankheit ist nach der Alzheimer-Demenz die zweithäufigste neurodegenerative Erkrankung. Über zwei Prozent der Menschen in der Altersgruppe über 65 Jahren sind davon betroffen. Allein in Deutschland schätzt man die Zahl auf rund 150.000 Patienten.
Die Erkrankung führt aufgrund eines Verlusts an Dopamin produzierenden Nervenzellen zu einer unaufhaltsam fortschreitenden Verlangsamung aller Bewegungsabläufe, zu Gleichgewichtsstörungen, zu bestimmten Beeinträchtigungen der geistigen Leistungsfähigkeit und zu Depressionen. Behinderungen bis hin zur Pflegebedürftigkeit sind die Folge. Durch die zu erwartende Veränderung der Altersstruktur unserer Gesellschaft wird die Zahl der Patienten in den kommenden Jahren stark zunehmen, sodass diese Erkrankung nicht nur eine erhebliche medizinische Herausforderung darstellt, sondern auch weit reichende gesellschaftliche und ökonomische Konsequenzen hat.
Erfreulicherweise hat die Behandlung der Parkinson-Krankheit in den vergangenen Jahren erhebliche Fortschritte gemacht. In den meisten Fällen lassen sich die Symptome über eine ganze Reihe von Jahren erheblich lindern. Allerdings kann bis heute das Fortschreiten der Erkrankung selbst noch nicht aufgehalten, ja nicht einmal wirksam verzögert werden. Neueste Ergebnisse - insbesondere im Bereich der genetischen und molekularen Grundlagenforschung sowie in der Frühdiagnostik durch neuartige bildgebende Verfahren - lassen jedoch Entwicklungen erkennen, die eine wirksame Behandlung des Krankheitsprozesses selbst, oder gar eine Prävention, in absehbarer Zeit denkbar erscheinen lassen. Arbeitsgruppen des Hertie-Instituts für klinische Hirnforschung haben hier wichtige Beiträge geleistet.

Bis vor wenigen Jahren war die Ursache der Parkinson-Erkrankung noch vollkommen unbekannt. Heute kennt man zumindest bei einem (noch relativ kleinen) Teil der Patienten die Ursache: es sind Veränderungen (Mutationen) in bestimmten Genen, die in diesen Fällen für den Untergang Dopamin produzierender Zellen verantwortlich sind. Das häufigste dieser „Parkinson-Gene" wurde 2004 von einer Arbeitsgruppe des Hertie-Instituts für klinische Hirnforschung entdeckt.
Zwar kann die Erkrankung nur bei weniger als zehn Prozent der Patienten durch die bislang entdeckten Genmutationen erklärt werden, doch sind diese Erkenntnisse aus zwei Gründen für alle Parkinson-Patienten von großer Bedeutung: zum einen wurden durch die Entdeckung der Genmutationen diejenigen zellulären Stoffwechselwege entdeckt, die wahrscheinlich auch bei den nicht direkt durch solche Mutationen erkrankten Patienten gestört sind. Zum anderen gibt es immer mehr Hinweise dafür, dass schon relativ geringfügige - allein noch nicht krankmachende - Veränderungen in diesen Parkinson-Genen dazu beitragen können, dass bestimmte Personen ein erhöhtes Erkrankungsrisiko tragen.
Ein Zusammenspiel mehrerer solcher Risikofaktoren könnte dann schließlich dazu führen, dass der Körper die entstehenden veränderten Stoffwechselprodukte nicht mehr abbauen kann und es schließlich zum Ausbruch der Erkrankung kommt. Eine noch genauere Kenntnis über das Zusammenspiel dieser vielfältigen Risikofaktoren und ihre Auswirkungen ist erforderlich, um zielgerichtete Therapien zu entwickeln, die in den Erkrankungsprozess wirksam eingreifen können.

Wenn die ersten Symptome der Parkinson-Krankheit spürbar werden, sind wahrscheinlich bereits mehr als die Hälfte der Dopaminzellen zugrunde gegangen. Dies macht deutlich, dass jede wirklich effektive, die Nervenzellen schützende Therapie einsetzen muss, bevor die Erkrankung klinisch sichtbar wird. Arbeitsgruppen des Hertie-Instituts sind entscheidend an der Entwicklung neuartiger Methoden beteiligt, mit denen die Erkrankung früher als bisher erkannt werden kann.
Dazu zählt vor allem die transkranielle Ultraschalluntersuchung des Gehirns, die sich immer mehr zur frühen und sogar präsymptomatischen Diagnose der Erkrankung und zur Unterscheidung von anderen, ähnlichen Bewegungsstörungen durchsetzt. Die sogenannte „Substantia nigra", die Region des Gehirns, in der die Dopaminzellen lokalisiert sind, wirft bei Parkinson-Patienten ein verstärktes Ultraschall-Echo zurück, das mit einer Sonde detektiert werden kann, möglicherweise bedingt durch eine vermehrte Eisenspeicherung des Gewebes. Diese Veränderungen sind möglicherweise schon Jahre vor Ausbruch der Erkrankung erkennbar.
In Tübingen werden derzeit in großen Kohortenstudien viele hundert ältere Menschen untersucht, um die Wertigkeit der Untersuchung langfristig nachzuweisen.
Das Zentrum für Neurologie in Tübingen betreibt die größte Parkinson-Spezialambulanz in Süddeutschland. In enger Zusammenarbeit mit den niedergelassenen Neurologen der Region werden auf diese Weise wissenschaftlich fundierte neueste Diagnose- und Therapiemethoden den Patienten zugänglich gemacht. Insbesondere zur frühzeitigen Diagnosesicherung reisen aber auch Patienten aus ganz Deutschland an das Tübinger Zentrum.
Patienten mit fortgeschrittener Erkrankung können in Zusammenarbeit mit den Kollegen der Neurochirurgischen Klinik auf einer spezialisierten Schwerpunktstation behandelt werden (beispielsweise durch die Tiefe Hirnstimulation).
Das bundesweit einzigartige Konzept des Zentrums für Neurologie in Tübingen führt auf diese Weise neurowissenschaftliche Forschung am Hertie-Institut für klinische Hirnforschung und klinische Versorgung an der Neurologischen Universitätsklinik zusammen. Dies gilt auch für die anderen am Zentrum vertretenen Spezialisten, die sich etwa mit der Erforschung und Behandlung von Hirntumoren, von Entzündungen des Nervensystems oder dem Schlaganfall befassen.
Pressekontakt:
Kirstin Ahrens Kommunikationsberatung
Kirchstraße 68
72119 Entringen
Tel.: 07073-500 724
Fax: 07073-500 728
Mobil: 0173-300 53 96
Mail: mail(at)kirstin-ahrens.de